GFG002-Wie steht´s mit der Führung?

Nachdem Sie mich und die Idee zu diesem Podcast in der ersten Folge ein wenig kennengelernt haben, möchte ich heute mit Ihnen richtig einsteigen und in dieser Ausgabe das Thema Führung angehen.Erfolg_als_Fuehrungskraft

Die heutige Folge habe ich in 3 Bereiche gegliedert:

  1. Was ist situationsgerechte Führung, ein paar
  2. Die Hay-Studie 2014 und sich daraus ergebende Handlungsfelder
  3. Die m.E. drei Kernbereiche von Führung und meine 10 Punkte als Grundstein für persönliches Engagement und die Bereitschaft für Topleistung

Führung bewegt so ziemlich jeden Unternehmer und jede Führungskraft und auch diejenigen die Führung erfahren oder auch ertragen müssen.

Dabei ist der Begriff Führung oder Führer bei uns in  Deutschland, schon aus der Vergangenheit heraus, negativ geprägt.

Im Englischsprachigen Raum tut man sich da leichter und unterscheidet die drei Begriffe Leadership- Guidance- und Direktion. Was ist der Unterschied?

Der Leader ist der Anführer, derjenige der das Sagen hat und dem man folgt. Denken Sie an den Leader in einem Fußballteam.

Der Guide ist der Begleiter der seine Mitstreiter selbstständig tun lässt aber vor Gefahren warnt und Hinweise gibt. Als Beispiel kann hier eine Tourist Guide oder auch ein Bergführer dienen.

Der Direktor hat eher strategische Aufgaben und denkt in Visionen. Stellen Sie sich z.B. einen Filmregisseur bei der Entwicklung eines Projektes vor oder auch einen Unternehmenslenker der vielleicht den Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen plant.

 

Das Führungsverhalten als solches hat enorme Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

 

Google wirft bei dem Begriff Führung mehr als 25 Millionen Treffer aus.

  • Wer vorne steht führt
  • Führung bedeutet ständige Dominanz
  • Wer rational an die Führung herangeht, hat auch in turbulenten Zeiten Erfolg!

 

Sind diese drei Aussagen relevant oder fallen sie in den Bereich der Führungsmythen?

Urteilen Sie selbst am Ende diese Folge.

Was bedeutet eigentlich Führung? Wie wird Führung empfunden? Gibt es die eine richtige Methode oder den richtigen Stil?

Wenn ich das Thema Führung in Wikipedia aufschlage, finde ich insgesamt 27 Begriffe in 8 Untergruppen. Allein dies zeigt schon, wie vielfältig der Begriff Führung verwendet wird.

 

Beginnen möchte ich mit einem Ausflug in die Hundewelt.

 

Einen Hund kann man auf unterschiedlichste Art und Weise führen:

  1. An der kurzen Leine
  2. An der kurzen Leine und zusätzlich mit einem Beißkorb
  3. An der langen Leine
  4. Manch einer benutzt diese berühmten Rollleinen, bei denen sich viele Meter Leine aus einem Automaten abrollen bzw. einziehen lassen.
  5. Andere benötigen keine Leine und sind in der Lage über verbale und nonverbale Kommunikation die Führung sicherzustellen
  6. Wieder andere lassen ihn frei laufen und verlieren u.U. damit die Möglichkeit einzuwirken und oft die völlige Kontrolle.

Es kann jedoch niemand verbindlich festlegen, welche dieser Möglichkeiten die Richtige oder die Falsche ist. Man muss dies situativ entscheiden. Es kommt auf das Alter des Hundes an, den Grad des Gehorsams, evtl. gesetzliche Regelungen oder auch die eigene Erfahrung. Es kommt aber auch auf die Einsatzfelder und Aufgaben an. Ein Polizeihund muss anders geführt werden als ein Rettungshund. Ein Blindenhund hat einen anderen Charakter als ein Jagdhund. Die kurze Leine macht Sinn, wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin, der Beißkorb wird u.U. in öffentlichen Verkehrsmitteln vom Betreiber verlangt, die lange Leine ist komfortabel wenn ich durch Wohngebiete spaziere, die 10 m Rollleine in einem Naturschutzgebiet oder im Wald. Ohne Leine sollte man nur unterwegs sein, wenn der Hund absolut und immer im Gehorsam des Führers liegt, also verlässlich ist. Für Viele beginnt dort schon der erste Konflikt. Für sie ist es das Schönste und Beste den Hund frei laufen zu lassen, ohne dabei eigentlich zu wissen, wie es ihrem Hund dabei geht. Sie setzen einfach voraus, dass ihr Hund es toll findet frei mit anderen Hunden herumzutoben. Vielleicht ist das aber gar nicht so? Vielleicht möchte dieser Hund aber gar nicht von anderen Hunden über eine Wiese gejagt werden und denkt sich nur: „Immer wenn andere Hunde kommen stiehlt sich mein Anführer aus der Verantwortung“. Die Erfahrung, welche Maßnahme wann die richtige ist, fehlt sehr oft. Vielleicht können Sie bei diesen Beispielen die ersten Parallelen feststellen, die ihnen als Führungskraft auch immer wieder begegnen.

Und gibt uns die Art und Weise wie geführt wird auch Aufschluss über den Charakter oder die Qualität eines Hundes.

Nein, wir können lediglich Rückschlüsse auf die Qualitäten des Führenden ableiten. Kennt dieser seinen Hund, kann er Situationen richtig einschätzen. Wie verantwortungsbewusst hat er den Hund für die Aufgabe ausgesucht?

Sie sehen, schon das einfache Führen eines Hundes kann so unterschiedlich und so schwierig sein. Das Führen von Mitarbeitern, Teams, ja ganzen Unternehmen ist bestimmt nicht einfacher und dabei deutlich verantwortungsvoller.

Auch in Unternehmen wird Führung von den Beteiligten ganz unterschiedlich empfunden.

Führungskräfte neigen vielfach dazu, ihren eigenen, ganz bestimmten Führungsstil immer in der gleichen Art und Weise einzusetzen. Ja, warum denn auch nicht? Bei 7 von 10 Mitarbeitern klappt es doch vorzüglich. Und die anderen drei? Die müssen sich halt anpassen, der Chef ist halt so.

Daraus resultieren zwei Möglichkeiten: Möglichkeit 1, der Mitarbeiter ist nicht wirklich glücklich in seiner Rolle und aufgrund mangelnder Motivation und ständiger Frustration nicht in der Lage, sein gesamtes Potenzial abrufen. Möglichkeit 2, der Mitarbeiter wird nach einer neuen, anderen Rolle suchen die ihn ausfüllt. In beiden Fällen hat ihn das Unternehmen allerdings verloren.

Menschen sind individuell und bedürfen somit auch einer solchen individuellen Ansprache. Hier zeigt sich die Empathie, die eine Führungskraft im Stande ist, seinen Mitarbeitern entgegenzubringen. Im geschäftlichen Alltag zählt Flexibilität zu einer Kernkompetenz, um Veränderungen in der globalisierten Welt zu beherrschen. In der Führung wird diese Flexibilität vergessen oder sogar ignoriert.

Laut der Hay HR-Studie 2014/15 wird Führung, wie schon in den 3 Jahren zuvor, als wichtigstes Thema in den Unternehmen gesehen. Fachkräftemangel, weniger Nachwuchskräfte, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, die immer wichtiger werdende Work-Life-Balance und das verstärkte Einbinden von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen beeinflussen maßgeblich die zukünftige Arbeit von Führungskräften. Es mag vielleicht noch kurzfristig gutgehen dem Handlungsfeld Führung keine oder wenig Beachtung zu schenken, aber die Welt steht nicht still. Ich vergleiche dies gerne mit einem Bergsteigerseil. Dieses besteht aus vielen tausenden kleinen Adern die zu einem starken Seil  geflochten werden. Wenn hier die eine oder andere Ader reißt, hat dies noch keine große Auswirkung auf die Haltbarkeit. Sollte aber eines Tages die letzte Ader reißen, geht es rapide bergab und es wird kein Halten geben.

Die meines Erachtens vier wichtigsten Handlungsfelder bzw. Schlussfolgerungen der Hay Studie lauten:

1. Die Rolle von Führung nachhaltig verändern.

Führung hat sich in Richtung Mitarbeiterorientierung zu entwickeln. Auf das Managen von Veränderungen und den Umgang mit der steigenden Komplexität sind viele Führungskräfte allerdings noch nicht vorbereitet.Die Gründe: mangelnde Zeit für Führung und Angst vor Macht- und Kontrollverlust. Geschäftsleitung und Führungskräfte aus den Bereichen sowie HR sind deshalb gleichermaßen gefragt, die Rolle von Führung neu zu definieren.

2. Wertschätzende Unternehmenskultur bleibt Dauerthema

Mitarbeiter zu binden bedeutet vor allem, eine wertschätzende Unternehmenskultur und ein gutes Betriebsklima zu etablieren. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier noch weit auseinander. Daher ist die Unternehmensführung gefragt, das Thema spürbar anzugehen – im Rahmen ihrer Vorbildfunktion und um ein klares Signal zu senden.

3. Pragmatische Lösungen für eine Work-Life-Balance finden

Der Report zeigt: Work-Life-Balance ist wichtig, um Mitarbeiter zu binden, Frauen zu fördern und die Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Aber auch hier ist eine starke Diskrepanz zwischen der hohen Relevanz der Work-Life-Balance und dem Grad ihrer Umsetzung festzustellen. Hier sind pragmatische, in den jeweiligen Teams ausgehandelte Lösungen zu entwickeln, die mit den geschäftlichen Anforderungen im Einklang stehen.

4. Beschäftigungsfähigkeit ernst nehmen

Mitarbeiter werden älter und arbeiten länger. Umso wichtiger wird die Sicherung und Weiterentwicklung ihrer Beschäftigungs-fähigkeit. Aber die dafür zentralen Instrumente – lebenslange Fort- und Weiterbildung, die Rolle der Führungskraft als Personalentwickler und die Gesundheitsförderung – sind in Unternehmen noch zu selten gelebte Realität.

 

Führungsstile

Aber wie sollte eine moderne Führung aussehen?

Man unterscheidet heute 5 Kern-Führungsstile die wiederum zu insgesamt über 80 Variationen aufgefächert wurden.

Diese fünf Variationen lauten

  1. Autoritär oder autoritär direktiver Führungsstil
  2. Gemäßigt autoritärer Führungsstil
  3. Sach- oder leistungsorient- kooperativer Führungsstil
  4. Partnerschaftlich- kooperativer Führungsstil
  5. Laisser- faire- Führungsstil

Und welcher ist nun der Richtige? Sie erinnern sich an die eingangs genannten Beispiele einen Hund zu führen. Wir haben dort gesehen das Alter, Ausbildungsgrad, Umfeld oder Umgebung ganz unterschiedliche Anforderungen an den Führenden stellen. Ebenso ist es im geschäftlichen Alltag. Stellen Sie sich einen Arbeitsunfall in einer Fabrikhalle vor. Da ist keine Zeit für eine Teambesprechung oder für das Einholen unterschiedlicher Meinungen. Hier ist eine direktive Führung gefragt. Ebenso klar ist es, dass ein unerfahrener Mitarbeiter eine andere Ansprache benötigt und auch erwartet als ein „alter Hase“, dass ein hochmotiviertes, selbstbewusstes Teammitglied anders geführt werden muss als ein frustrierter, mutloser Mitarbeiter.

Nach meinen Erfahrungen macht es Sinn, das Thema Führung in drei Kernbereiche zu unterteilen:

Managementaufgaben, Mitarbeiterführung und Selbstführung

  1. Managementaufgaben
    1. Strategien und Ziele entwickeln und operativ umsetzen
    2. Betriebswirtschaftliche Ergebnisse erzielen
    3. Prozesse und Strukturen aufbauen und entwickeln
    4. Die operational excellence des Unternehmens sicherstellen und weiterentwickeln
  2. Mitarbeiterführung
    1. Mitarbeiter fördern und fordern
    2. Effiziente Teams zusammenstellen und zu entwickeln
    3. Werte, Vision und Ziele des Unternehmens vorzuleben, an die Mitarbeiter zu kommunizieren und Veränderungsprozesse in diesem Sinne zu unterstützen.
    4. Kundenorientierung sicherstellen
  3. Selbstführung
    1. Eigene Persönlichkeitsentwicklung und Selbstreflexion zur Verbesserung der Wirksamkeit des eigenen Verhaltens gegenüber Mitarbeitern.
    2. Eigene Stärken und Talente erkennen und gezielt in Führungshandeln einsetzen

 

 

Ziel ist es, einen Zustand zu erreichen, bei dem die Mitarbeiter oder allgemein die Geführten Vertrauen, Respekt, Loyalität und Bewunderung gegenüber der jeweiligen Führungskraft empfinden und auf diese Weise überdurchschnittliche Leistungen zu erzielen.

Sinnvolle Ziele und Ideale, also eine Vision, sollten im Zentrum stehen und jeden, sowohl Führungskräfte und als auch Mitarbeiter gleichermaßen zu inspirieren und motivieren, um einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Voraussetzungen

Die folgenden 10 Punkte sind nach meiner Erfahrung der Grundstein für persönliches Engagement, die Bereitschaft für Topleistungen, den Willen zum Umdenken und die persönliche Weiterentwicklung.

  1. Seien Sie Vorbild und immer authentisch
  2. Vermitteln Sie Enthusiasmus und begeistern Sie
  3. Handeln Sie fair und gerecht und entscheiden Sie konsequent
  4. Entwickeln Sie eine Vision und vermitteln Sie diese
  5. Erklären Sie die Bedeutung von Zielen
  6. Vermitteln Sie neue Einsichten bzw. ermutigen Sie dazu. Stellen sie bisherige Denkmuster in Frage und fordern Sie den Status quo heraus. Nichts ist in Stein gemeißelt
  7. Gehen Sie auf Ihre Mitarbeiter individuell ein, sowohl in persönlicher als auch in praktischer Hinsicht
  8. Fördern Sie Ihre Mitarbeiter
  9. Handeln Sie dialogorientiert
  10. Seien sie immer EHRLICH zu ihren Mitarbeitern

Den Punkt Nummer 10 „Ehrlichkeit“ habe ich bewusst ans Ende gesetzt, um direkt daran anknüpfen zu können.

Dieser Punkt beinhaltet alles, so einfach es auch klingt. Sobald Ihre Mitarbeiter in Zweifel ziehen, dass mit ihnen ehrlich umgegangen wird, haben Sie verloren. Allein das Gefühl, dass irgendetwas hintergründig läuft oder nicht so gemeint ist wie es gesagt wurde, wird positive Ansätze und Entwicklungen sofort überdecken.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

Die Unternehmensleitung startet ein groß angelegtes Programm unter dem Begriff „Offenheit“. Es geht darum, eine neue Firmenkultur zu etablieren, ein neues Wir-Gefühl zu entwickeln, Meinungen zu hören, Teamwork zu fördern, Prozesse zu optimieren und die berühmte Extra Meile zu gehen mit dem Ziel, Kunden zurückzugewinnen. Diese Offenheit soll in alle Richtungen praktiziert werden. Also sowohl von der Unternehmensleitung über die Führungskräfte zu den Arbeitnehmern als auch zurück zur Unternehmensspitze.

Was glauben Sie, welche Auswirkungen es auf das Klima und die Betriebsstimmung hat, wenn die Mitarbeiter feststellen, dass sie einerseits in die Pflicht genommen werden, umgekehrt aber das Gefühl haben nicht ehrlich behandelt zu werden. Das Vertrauen, dass Sie hier zerstören würden, ist unkalkulierbar und die innere Kündigung bei vielen Betroffenen der nächste Schritt.

Ein weiterer Punkt ist mir ebenfalls wichtig.

Führung geschieht heute nicht mehr nur vertikal von oben nach unten, also vom Vorgesetzten zum Mitarbeiter. In vielen Organisationen, aber auch im Projektmanagement, ist es üblich, sich auf gleichem Level, auf Augenhöhe, zu begegnen und zusammenzuarbeiten. Damit sind bestimmte hierarchische Strukturen und Formalien teilweise ausgehebelt. Hier zeigt sich die Qualität einer Führungskraft, hier entscheidet das Argument, der bessere Denkansatz und nicht mehr der Level. Mit der Beachtung der o.g. 10 Punkte sind Sie jederzeit in der Lage auch in derartigen Strukturen oder Projekten zu bestehen und Führung zu leisten.

Fassen wir die heutige Folge noch einmal zusammen.Ich habe Ihnen anhand eines Beispiels gezeigt wie unterschiedlich und situativ man über Führung entscheiden muss und wie sehr man auf die Bedürfnisse des Geführten Rücksichtnehmen sollte. Wir haben die Hay Studie angesprochen, die auch in diesem Jahr Führung als wichtigstes Handlungsfeld in Unternehmen sieht und abschließend habe ich Ihnen meine Top10 Punkte genannt, die den Grundstein für persönliches Engagement legen.

Kommen wir noch einmal auf die eingangs genannten Englischsprachigen Begriffe Leadership- Guidance und Direktion zurück. Um als eine hervorragende Führungskraft anerkannt zu sein benötigt man natürlich jedes dieser drei Merkmale.

Und wie stehen Sie jetzt zum Abschluss dieser Folge zu den am Anfang der Sendung gemachten Behauptungen?

  • Wer vorne steht führt
  • Führung bedeutet ständige Dominanz
  • Wer rational an die Führung herangeht, hat auch in turbulenten Zeiten Erfolg!

Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mir Ihre Meinung gerne unter mail@thomas-reining.de. Ich würde mich über einen Kommentar sehr freuen.

Das Zitat der Woche von Franz Kafka:

Alles Wissen, alle Fragen und Antworten finden sich im Wesen des Hundes.

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