GFG049-Die Vor- und Nachteile eines Homeoffice

Streitpunkt Homeoffice

Das Homeoffice mit seinen Nachteilen und Vorteilen bleibt ständiges Thema und oft auch Streitpunkt in Unternehmen. In den Niederlanden haben Arbeitnehmer, solange betriebliche Gründe nicht dagegensprechen, einen Rechtsanspruch die Arbeit auch von zu Hause ausführen zu dürfen. Auch in England, Frankreich oder Schweden liegt der Anteil der Homeoffice-Nutzer deutlich höher als in Deutschland. In der Folge 44 habe ich über Employer Branding gesprochen und, als eine wesentliche Maßnahme für die Mitarbeiterzufriedenheit, das Homeoffice identifiziert. Hören Sie dort gerne noch einmal rein.

Ich bin der Überzeugung, dass Unternehmen die zukünftig nicht auf die Wünsche ihrer Mitarbeiter eingehen, es schwerer haben werden, Fachkräfte für sich zu gewinnen.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) arbeiten 12 % aller abhängig Beschäftigten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus. Dieser Anteil könnte laut DIW auf über 30% steigen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Gründe dafür sind eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der starke Wunsch nach zeitlicher Autonomie. Viele Unternehmen unterstützen dies aber noch nicht und verkennen, dass die Heimarbeiter hochmotiviert deutlich mehr arbeiten, laut der Studie im Durchschnitt 46 Std./Woche und zwar unbezahlt.

Ich verstehe diese Zurückhaltung gegenüber dem Homeoffice nicht. Meine persönlichen Erfahrungen habe ich dazu bereits Ende der 1990er Jahre gesammelt. Eine Online-Verbindung ins Unternehmen musste ich damals noch über eine ISDN Leitung herstellen und ich fühlte mich später wie ein König als ich diese für die doppelte Bandbreite auch noch twinen, also beide Leitungen zusammenlegen konnte. Das waren, verglichen mit heute, sehr rudimentäre Möglichkeiten, aber es funktionierte und ich habe an meinen Homeoffice-Tagen in der Regel mehr geschafft als im Büro. Ich kann aber auch verstehen, wenn Unternehmer Vorbehalte haben und nicht sofort „Hurra“ schreien wenn ein Mitarbeiter oder eine Führungskraft von zu Hause arbeiten möchte.

Vertrauen- ja/nein?

Sollten diese Gründe jedoch getragen sein von mangelndem Vertrauen, dann liebe Chefs, klären Sie diese Vertrauensfrage. Das strikte NEIN zum Homeoffice wird jedenfalls nicht helfen das Vertrauen aufzubauen.

Kontra Homeoffice

Aber was genau sind die Sorgen oder Gründe der Entscheidungsträger in Bezug auf das Homeoffice?

  1. Die Angst der Führungskraft, der Mitarbeiter macht sich einen schicken Tag, quasi einen zusätzlichen Urlaubstag.
  2. Der Chef will auch spontan oder kurzfristig die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch haben.
  3. Dem Mitarbeiter fehlen Informationen weil der von schnellen wichtigen Informationen abgeschnitten scheint.
  4. Der Mitarbeiter ist durch die Arbeit zu Hause nicht ausreichend ins Team integriert.
  5. Fehlende persönliche Disziplin der Mitarbeiter auch wirklich konsequent zu arbeiten
  6. Fehlen der nötigen Infrastruktur, also Drucker, Fax, schnelles Internet, Internetsicherheit oder ein geeigneter Bürostuhl
  7. Simpler Kontrollverlust

Pro Homeoffice

Und was spricht nun für die „Telearbeit“ wie es so schön im deutschen heißt?

Homeoffice

  1. Für den Mitarbeiter fällt der Arbeitsweg weg, was in vielen Fällen einen ordentlichen Zeitgewinn bedeutet
  2. Die mit dem Arbeiten zu Hause verbundene Wertschätzung ist ein hoher Motivationsgewinn
  3. Bessere Work Life Balance
  4. Eine vielfach höhere Arbeitsleistung als im Büro Das Erzählen mit dem Kollegen fällt weg. Kurze Arbeitsunterbrechungen oder Störungen werden minimiert (sie wissen ja, jede Unterbrechung kostet ca.15 Min bis man wieder 100%ig in der Sache steckt und dann kommt oft die nächste Störung.

 

 

Meine Erfahrungen

Lassen Sie mich zum Abschluss von meinen eigenen Erfahrungen zum Homeoffice berichten, vielleicht helfen sie Ihnen ja bei der Bewertung.

  1. Das eine tun, das andere nicht lassen. Mit anderen Worten, warum muss man sich unbedingt für oder gegen das Homeoffice entscheiden? Beides nebeneinander ist für mich die beste Konstellation. Der Heimarbeiter bekommt die Infos aus dem Büro, Meeting können auf die jeweiligen Anwesenheitszeiten gelegt werden und die restliche Zeit, vielleicht 1-2 Tage in der Woche arbeitet man von zu Hause.
  2. Je stärker die Reisetätigkeit von Vorgesetzten ist, also je weniger Zeit sie selbst im Büro verbringen, umso stärker ist die Akzeptanz die Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen. Der Grund ist meines Erachtens ein ganz einfacher. Vorgesetzte die selbst viel unterwegs sind, haben führen auf Distanz gelernt und können sehr viel besser einschätzen, was ein Mitarbeiter zu leisten im Stande ist. Das reflexartige Kontrollgefühl fällt hier meist ganz weg.
  3. Heimarbeiter arbeiten in der Regel deutlich mehr und effizienter von zu Hause. Einerseits wollen sie zeigen, dass man sich auf sie verlassen kann und andererseits sind sie nach meinem Kenntnisstand auch bereit einen Teil der gewonnenen Wegezeit an das Unternehmen zurückzugeben.
  4. Wenn wichtige Mitarbeiter, echte Keyplayer einmal länger im Büro ausfallen, z.B. auf Grund eines Beinbruchs oder einer  Krankheit, werden die Vorgesetzten oft sehr flexibel. Wenn solch ein Mitarbeiter dann darum bittet, von zu Hause zu arbeiten weil ihm die Decke auf den Kopf fällt, er seine Aufgaben trotzdem erfüllen möchte oder er seine Kollegen unterstützen will, dann bekommen Sie in der Regel das OK. Und wenn die Vorgesetzten dann feststellen, dass die Arbeit genauso gut erledigt wurde, lassen sie oft mit sich reden. Aber muss es denn  immer erst einen Unfall oder eine Krankheit geben?
  5. In jedem Fall sollten Sie sich als Unternehmer, Geschäftsführer oder Vorgesetzter über eine Entscheidung, ob für oder wider, genaue Gedanken machen. Machen Sie sich ganz genau die Gründe klar und auch den Personenkreis für den eine mögliche Regelung in Frage kommt. Begründen Sie eine solche Entscheidung offen und transparent um Unfrieden oder Neid zu vermeiden. Vielleicht starten Sie auch mit einem bestimmten Nutzerkreis eine zeitlich befristete Testphase die im Anschluss offen evaluiert wird.

Die richtige Infrastruktur

Einen ganz wichtigen Punkt möchte ich nicht vergessen. Schaffen Sie im Vorfeld die notwendige IT-Infrastruktur, damit Sie kein Sicherheitsrisiko eingehen. Die Kosten dafür sind heute überschaubar.

Als Unternehmen sollten Sie in der heutigen Zeit offen für solche progressiven Schritte sein. Ihre Mitarbeiter können meist sehr gut selbst einschätzen was möglich ist, Sinn macht und was gar nicht geht. Schade wäre es jedoch, wenn Ihre besten Leute das Unternehmen verlassen weil Ihr größter Mitbewerber an dieser Stelle fortschrittlicher ist.

Tipp:

Out of Office: Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfolgreiche Woche und einige inspirierende Gedanken zum Thema Home Office.

Zum Abschluss noch das Zitat der Woche, heute von Johannes Raps

„Arbeit definiert sich durch die benötigte Zeit, nicht durch die Art der Arbeit“

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