GFG051-Wie Sie als Führungskraft empathisch sein können, ohne Ihre Autorität in Frage zu stellen.

Empathie bei Führungskräften

Alle Welt spricht von der Empathie und insbesondere von Führungskräften erwartet man heute herausragende empathische Fähigkeiten. Das war Grund genug, mich diesem Thema einmal zu widmen, denn gerade hier trennt sich unter Führungskräften oft die Spreu vom Weizen. Hier zeigt sich, wie gut jemand wirklich führen kann oder ob er beispielsweise wie der berühmte Elefant im Porzellanladen agiert. Es geht aber nicht mehr um intellektuelle Kompetenz sondern immer stärker um die soziale Kompetenz und die Art und Weise wie Menschen miteinander umgehen und sich organisieren. Dafür habe ich am Ende dieser Sendung 6 Tipps für zusammengestellt. Hören sie, wie Sie als Führungskraft emphatisch sein können.

In einer früheren Sendung hatte ich schon einmal die Studie der Personalberatung Rochus Mummert zitiert.

Studie „Emotionale Führung am Arbeitsplatz“

Die Ergebnisse dieser repräsentativen Studie „Emotionale Führung am Arbeitsplatz“ brachte zu Tage, dass gerade einmal 37 Prozent der Angestellten ihren direkten Chef als „fachlich für den Job geeignet“ halten und nur knapp jeder Dritte diesen für charakterlich qualifiziert hält. Insbesondere in dem zweiten Punkt spielt die Empathie eine ganz wichtige Rolle. Die Fähigkeiten auf diesem Gebiet tragen ganz entscheidend zur Motivation der Mitarbeiter bei.

Andere Untersuchungen zeigen, dass gerade die Empathie sehr viel mit Durchsetzungsvermögen zu tun hat. In Verbindung mit dem „kennen und erkennen“ der eigenen Bedürfnisse, zu dem auch das Selbstvertrauen gehört, verhilft uns unsere Empathie zu einem souveränen und authentischen Auftreten.

Aber was genau ist Empathie, ein Begriff den früher kaum jemand kannte und der sich erst nach und nach in unserem Sprachschatz verankerte?

Gegenüber anderen empfindsam sein

Nach Robert S. Hartman bedeutet Empathie, die Individualität im anderen Menschen erkennen zu können. Die Fähigkeit , das menschliche im Gegenüber zu sehen, sich vom eigenen Ich zu lösen und die Einzigartigkeit des anderen zu erkennen und richtig zu bewerten.  Es bedeutet auch, die Fähigkeit und die Aufmerksamkeit, den Ansichten, Gefühlen und Beweggründen anderer gegenüber empfindsam zu sein. Unterscheiden müssen wir bei der Empathie  auch zwischen dem Können, die Stimmung anderer aufzunehmen und dem Wollen, dieses Können überhaupt anzuwenden und einzusetzen.

Beispiel:

Sie gehen abends in Begleitung eines Freundes durch eine dunkle Gasse. Einer von Ihnen ist ein sehr proaktiv hilfsbereiter Mensch während der andere eher kühl und zurückhaltend erscheint. Plötzlich hören Sie aus einer unbeleuchteten Ecke ein Geräusch, das darauf schließen lässt, dass da jemand Hilfe benötigt. Sie beide stellen unabhängig voneinander fest, hier braucht jemand Hilfe. Der eine von Ihnen möchte sofort hinstürzen um seine Hilfe anzubieten, der andere möchte lieber weitergehen um die Situation zu kontrollieren und dann ggf. die richtigen Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Es geht jetzt nicht darum zu urteilen welche Reaktion in einer solchen Situation richtig ist, wichtig ist der folgende Punkt: Beide von Ihnen haben das Können diese Situation richtig einzuschätzen, aber eine ganz individuelle Vorgehensweise. Auf den ersten Blick wirkt die direkt hilfeanbietende Person empathischer mit dem großen Risiko in einer solchen Situation unter Umständen ausgenutzt zu werden. Die eher zurückhaltende Person in diesem Beispiel hat möglicherweise in einer ähnlichen Situation schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht und ist daher vorsichtiger. Es kommt also darauf an, das Können mit bisherigen Erfahrungswerten abzugleichen und dann situationsgerecht zu differenzieren. Dies erfordert einerseits ein hohes Maß in Intuition andererseits ist es auch abhängig von Erfahrungen und Begleiterscheinungen wie Stress, Druck, Hektik, Müdigkeit, Zorn, Wut, Angst und dem aktuellen persönlichen Umfeld. Es gibt durchaus auch Unterschiede, ob Sie sich gerade in einem bestimmten beruflichen Kontext oder aber in einer privaten Situation bewegen.

Gespür für Menschen

Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, dass es sich bei der Empathie um ein Gespür für Menschen handelt, dass stark oder schwach ausgebildet sein kann und proaktiv oder weniger proaktiv genutzt werden kann.  In der Gesellschaft und in Unternehmen hat die Empathie, insbesondere in Verbindung mit Führungskompetenz einen hohen Stellenwert erlangt. Das bedeutet auch, dass eine schlecht wahrgenommene Empathie geradezu eine Disqualifikation bedeutet.  Sie sehen jedoch an dem Beispiel, dass es nicht ganz so einfach ist, Empathie in gut oder schlecht zu klassifizieren. Eine Führungskraft, die als Veränderungsmanager eingesetzt ist, hat verständlicherweise eine ganz andere Rolle als eine Führungskraft in einem sozialen Beruf.

Führungskräfte befürchten jedoch oft, dass ein hohes Maß an Empathie mit Führungsschwäche gleichgesetzt wird. Sie kennen das vielleicht, man viel als cooler, harter Hund wahrgenommen werden um zu verhindern, dass man möglicherweise ausgenutzt wird oder die eigene Autorität verliert. Wer möchte schon, dass die Mitarbeiter mit einem Schlitten fahren.empathisch sein

Empathie und Führungsstärke schliessen sich nicht aus

Aber bitte verwechseln Sie an dieser Stelle nicht „Verständnis für jemanden oder für eine Situation zu zeigen“ mit ich bin nicht einverstanden. Empathisch zu sein bedeutet selbstverständlich auch, klar und konkret in der Sache zu sein. Führungskräfte die unklar sind, möglicherweise wie ein Fähnchen im Wind auftreten sind selten emphatisch. Sie können also durchaus hart in der Sache sein und weich zu der betreffenden Person. Das schließt sich nicht aus. Das Verständnis für die Situation, die Bedürfnisse und die Gefühle des Gegenübers zeigt die Kompetenz einer Führungskraft.

Eine Frage die sich immer wieder stellt, kann man Empathie lernen?

Wie schon beschrieben, die Fähigkeit empathisch zu sein trägt jeder Mensch in sich und diese Fähigkeit ist abhängig von Alter und Erfahrung. In den meisten Fällen geht es darum, dieses Können gezielt und Situationsgerecht einzusetzen. Und darum habe ich nun sechs Anregungen für Sie zusammengetragen, wie Sie Ihr empathisches Auftreten entwickeln und und  wie Sie Ihre empathischen Fähigkeiten verbessern können.

  1. Betrachten Sie Welt einmal aus den Augen Ihres Gegenübers. Perspektivwechsel ist hier das Stichwort.
  2. Seien sie im Gespräch achtsam und wertschätzend. Hören Sie aufmerksam zu und signalisieren sie dies durch ihre Blicke, die Gestik und die Mimik.
  3. Begegnen Sie Ihrem Gegenüber vorurteilsfrei.
  4. Stellen Sie offene Fragen und finden Sie die Bedürfnisse oder Probleme Ihres Gesprächspartners heraus.
  5. Zeigen sie ruhig auch Ihre eigenen Gefühle, sie dürfen auch als Führungskraft Mensch sein.
  6. Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten. Wie hätten Sie sich in der konkreten Situation oder in diesem Gespräch mit Ihnen selbst gefühlt?

Die Achtsamkeit auf diese Punkte hilft, als Führungskraft mehr Akzeptanz zu gewinnen und entsprechend respektiert zu werden.

Das waren meine sechs Punkte um als Führungskraft selbstbewusst und empathisch wahrgenommen zu werden. Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass man ohne große Worte fast wie von selbst eine riesige Motivation auslöst. Warum? Ganz einfach, Ihre Mitarbeiter spüren die Wertschätzung und werden deshalb noch lieber mit Ihnen zusammenarbeiten. Auch wenn Sie u.U. harte Entscheidungen treffen müssen, Sie machen klar, es geht um die Sache und nicht gegen die Menschen.

Das Zitat der Woche, heute vom Dalai Lama

Wer Mitgefühl hegt, erkennt, dass seine Taten Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

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