GFG073- 9 Tipps wie Sie Ihren Arbeitsplatz professionell wechseln.

Heute möchte ich Ihnen neun Tipps geben, die Ihnen helfen Ihren Arbeitsplatz zu wechseln und sich bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber professionell zu verabschieden.

Die Arbeitsplatz- Situation ist heute in den meisten Branchen für Führungskräfte großartig. Nehmen Sie als Beispiel die Ingenieure, die werden geradezu wie Goldstaub gesucht.

Auch in vielen anderen Bereichen ist der Markt für Fach-und Führungskräfte wie leergefegt. Es gibt seit einiger Zeit die wildesten Spekulationen wie sich der Mangel an guten Leuten auf zukünftige Geschäftserfolge auswirken wird.

Diese Situation, wie wir Sie heute vorfinden, bringt die Unternehmen in die Defensive und die Führungskräfte in eine ausgezeichnete Verhandlungsposition. Wenn sich Führungskräfte in ihrem alten Wirkungsbereich nicht mehr wohlfühlen, dann suchen Sie sich etwas neues, etwas passenderes.  Dazu möchte ich Ihnen heute  9 Tipps geben, wie Sie Ihren Arbeitsplatz- Wechsel professionell vorbereiten und abwickeln.

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Take it, change it or leave it

Sie alle kennen diese drei Optionen.

Führungskräfte, die sich nicht wohlfühlen, mussten schon immer zwischen diesen drei Möglichkeiten wählen. Die Erste rückt heute allerdings mehr und mehr in den Hintergrund, was mit Sicherheit mit der Lebensauffassung der Generation Y zu tun hat.

Schauen wir uns die 3 Optionen nochmal an:

Gegen eigene Überzeugungen arbeiten?

„Take it“ bedeutet, arrangiere Dich mit der Situation. Es gibt bestimmte Zwänge, die es Dir nicht gestatten das Unternehmen zu verlassen. Das können finanzielle Gründe sein, das können örtliche Gründe sein, das kann auch eine gewisse Seniorität mit entsprechendem Kündigungsschutz sein. Wenn Sie sich dafür entscheiden, passen Sie auf, dass Sie langfristig nicht zu sehr gegen eigene Überzeugungen angehen und zu stark gegen sich selbst kämpfen müssen.

Verändern Sie Ihr Tätigkeitsfeld und Ihren Arbeitsplatz

„Change it“ meint, verändern Sie die Situation in der Sie stecken mit den Mitteln die Ihnen zur Verfügung stehen. Das kann bedeuten, dass Sie Ihr Team neu formieren, dass Sie sich selbst größere Freiräume einräumen, was auch immer. Es geht aber nicht darum die Situation ausschließlich für sich selbst sondern durchaus  auch für das Unternehmen positiv zu verändern.

Und wenn Möglichkeit 1 und 2 nicht funktionieren, dann bleibt langfristig nur noch Option 3

Suchen Sie den passenden Arbeitsplatz

Leave it. Also verlassen Sie die Situation und suchen Sie nach einer neuen Aufgabe, nach einer neuen Herausforderung.

Wenn sich Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz einfach nicht mehr wohlfühlen, wenn Ihnen die Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung fehlen oder nicht ausreichen, wenn Ihnen möglicherweise das Homeoffice verwehrt wird oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig erscheint, es gibt viele weitere Gründe, dann werden Sie weiterziehen wie ein Nomade und sich ein Unternehmen suchen in dem es einfach besser passt. Die sprichwörtliche Nibelungentreue gibt es in der heutigen VUKA Welt nicht mehr.

VUKA Welt? Darüber habe ich in der Folge 67 gesprochen und den Begriff erklärt. Wenn Sie die verpasst haben, hören Sie doch gern nochmal rein.

Bei dem zunehmenden Wechselwillen behaupten viele Fachleute, zukünftig werden sich nicht mehr die Führungskräfte bewerben, sondern es wird umgekehrt geschehen und die Unternehmen werden sich bei den Führungskräften bewerben. So sieht für viele Experten die neue Marktwirtschaft auf dem Arbeitsmarkt aus.

Wenn es jedoch so weit ist, dass die Umstände nicht mehr passen, die Chemie nicht mehr stimmt, Sie den Wohnort wechseln möchten oder neue Herausforderungen warten, es geht jetzt darum, sich professionell zu trennen. Also offen, ehrlich, im guten Einvernehmen und ohne nachkarten.

Man trifft sich immer zweimal im Leben

Der Engländer sagt „you always meet twice” bei uns heißt es „man sieht sich immer zweimal im Leben“ und daran ist viel Wahres. In den meisten Fällen werden Sie als Führungskraft in der gleichen Branche weiterarbeiten, das heißt Sie werden die alten Kollegen oder Vorgesetzten auf Messen, auf Fachveranstaltungen auf Lehrgängen usw. wiedertreffen. Die Welt ist halt klein.

Wenn Sie also den Vertrag in Ihrem neuen Unternehmen in der Tasche haben und völlig euphorisiert jedem erzählen möchten wieviel besser diese neue Aufgabe sein wird, dann halten Sie ein, planen Sie Ihren Abgang und gestalten Sie ihn professionell. Der Respekt wird Ihnen von allen alten Weggefährten sicher sein, egal ob Vorgesetzter, Kollege oder Mitarbeiter.

Hier nun meine 9 Tipps für Ihre professionelle Kündigung.

  1. Der Wechsel des Arbeitsplatzes sollte langfristig und strategisch vorbereitet werden und zwar schon zu einer Zeit in der Sie den Wechsel noch gar nicht akut planen. Worauf ich hier anspiele ist Ihr Zwischenzeugnis. Jeder Arbeitnehmer kann um das Ausstellen eines Zwischenzeugnisses bitten, unter besonderen Umständen können Sie es sogar verlangen. Sie müssen jedoch damit rechnen, dass wenn Sie nach einem Zwischenzeugnis fragen, Ihre Vorgesetzten hellhörig werden. Also sollten Sie den richtigen Zeitpunkt abwarten. Bitten Sie Ihren Vorgesetzten dann, wenn es bei Ihnen gerade fantastisch läuft, also nach einem großartigen Projekt, nach einer Spezialaufgabe. Dann wenn Ihr Vorgesetzter glücklich ist, genau Sie in seinem Team zu haben. Es gibt aber noch weitere, sehr plausible Gründe um nach einem Zwischenzeugnis zu fragen:
    1. Ihr Vorgesetzter wird selbst versetzt.
    2. Sie wechseln in eine andere Abteilung.
    3. Ein Auslandseinsatz

Der Vorteil liegt darin, dass ein solches Zwischenzeugnis zu einem späteren Zeitpunkt als Basis für das Abschlusszeugnis dienen wird und natürlich nicht schlechter ausfallen kann, als das Zwischenzeugnis. Und wenn es die Umstände erlauben bitten Sie bei der nächsten Gelegenheit erneut um ein Zwischenzeugnis. So vermeiden Sie, dass der Zeitraum zwischen einem Zwischenzeugnis und einem möglichen Abschlusszeugnis zu groß wird. Weiterer Vorteil, Zwischenzeugnisse weisen in der Regel einen sehr positiven Grundton auf, schließlich ist Ihr Arbeitgeber nicht daran interessiert, Sie zu demotivieren.

  1. Checken Sie im Vorfeld Ihre Kündigungsfrist und die Modalitäten wie Geschäftswagen, Laptop oder Telefon. Viele Unternehmen stellen Führungskräfte bei einer Kündigung direkt frei, was im schlimmsten Fall bedeuten kann, Sie stehen von heute auf morgen ohne Auto oder Mobiltelefon da. Finden Sie heraus wie das in der Regel in Ihrem Unternehmen gehandhabt wird und auch, ob sogar etwaige Sperrfristen gelten. Dies gilt insbesondere für die Führungskräfte, die erhebliches betriebliches Know How mitnehmen. Seien Sie vorbereitet. Im Zweifel sollte man sich im Vorfeld immer anwaltlich beraten lassen.
  2. Gehen Sie perfekt vorbereitet in Ihr Kündigungsgespräch. Üben Sie mit einem Freund oder Sparringspartner die Situation. Entwickeln Sie einen roten Faden was genau Sie in diesem Gespräch sagen werden und auch, was genau Sie auf keinen Fall sagen wollen. Je besser Sie vorbereitet sind, umso weniger Druck werden Sie verspüren und desto abgeklärter, sachlicher und professioneller wirken Sie. Emotionen sind in einem solchen Gespräch völlig fehl am Platze. Vermeiden Sie Rachegefühle, Neid oder auch Eifersucht. Sprechen Sie positiv über das Unternehmen, Ihre Vorgesetzten, Ihre Kollegen und Mitarbeiter und wertschätzen Sie die Zeit, die Sie dort verbracht haben. Machen Sie deutlich, wieviel Sie haben lernen dürfen, dass Sie jetzt aber den richtigen Zeitpunkt sehen, etwas Neues auszuprobieren. Denken Sie auch immer daran, dass Ihr alter Arbeitgeber möglicherweise um eine Referenz gebeten wird.
  3. Vermeiden Sie in jedem Fall eine Generalabrechnung. Schlucken Sie Ärger und Frust runter. Bleiben Sie einfach cool.
  4. Suchen Sie zuallererst das persönliche Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten und werfen Sie ihm nicht direkt die schriftliche Kündigung auf den Tisch. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie ihm mitteilen die schriftliche Kündigung am nächsten Tag nachzureichen. Das wirkt taktvoller gibt ihrem Chef die Chance das Gespräch etwas leichter zu verarbeiten und zu verdauen.
  5. Wenn Sie die Entscheidung für einen neuen Arbeitsplatz getroffen haben, dann lassen Sie sich bitte nicht von Ihrem Chef durch ein höheres Gehalt oder eine höhere Position ködern. Machen sie sich klar, dass ein besseres Gehalt nur sehr kurzfristig wirkt und die anderen Gründe nicht außer Kraft setzt. Und stellen Sie sich die Frage, warum hat Ihnen Ihr Arbeitgeber diese Möglichkeiten nicht schon geboten hat, bevor Sie sich zum Weggang entschlossen haben. Aber diese Gedanken behalten Sie am besten für sich, wenn Sie das neue Angebot freundlich aber entschieden zurückweisen.
  6. Vereinbaren Sie mit Ihrem Chef gemeinsam wie Sie bei der Bekanntmachung Ihres Wegganges verfahren wollen. Das kann z.B. bedeuten, dass zuerst das Unternehmen die Belegschaft z.B. in einer Personalversammlung informieren möchte. Vermeiden Sie unbedingt diese Information auf dem kleinen Dienstweg bei Ihren Kollegen vorab zu verraten und damit den Flur-Funk in Betrieb zu setzen. Das ist schlechter Stil.
  7. Fangen Sie nicht an,  mit Ihrem neuen Arbeitsplatz zu prahlen und anzugeben und vermeiden Sie jegliches Triumphgefühl. Sie haben ein Kapitel abgeschlossen, aber Ihre ehemaligen Kollegen stecken immer noch in der Situation und da wirkt es wenig souverän alles Alte schlecht zu reden. Denken Sie auch daran, dass der übernächste Karriereschritt Sie auch wieder in Ihr altes Unternehmen zurückführen könnte. Wie würden Sie in einigen Jahren wirken wenn man sich noch an Ihre alten Aussagen erinnert?
  8. Wenn dann der letzte Tag gekommen ist, verabschieden Sie sich persönlich bei Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern und nicht etwa per Email oder einfaches wegbleiben. Klar, in überregional operierenden Teams kommt man manchmal nicht ohne die E-Mail aus, aber vielleicht tut es ja auch ein Telefonanruf. Selbst ein Barack Obama verabschiedete sich an seinem letzten Tag mit einem letzten Telefonanruf bei Angela Merkel persönlich. Und für Ihren echten „inner circle“ darf es gerne auch noch etwas mehr sein. Seien Sie einfach vorbereitet, auch für den Fall dass man Ihnen ein Abschiedsgeschenk macht. Dann kommen Sie auch bei einer letzten kleinen Rede nicht aus dem Takt.

Denken Sie auch an ein professionelles Bewerbungsverfahren

So, das war es für heute. Sollten Sie gerade in der entscheidenden Phase für einen Jobwechsel stehen, wünsche ich Ihnen eine sichere Hand. Und für ein professionelles Bewerbungsverfahren hören Sie gerne einmal in die Episoden 11 und 12 rein. Da finden Sie zahlreiche Tipps für die Jobsuche. In der nächsten Woche geht es dann um Ihre Leistungsfähigkeit. Als Führungskraft arbeiten Sie viel und hart und ein kurzfristig  einberufenes Meeting, eine Projektbesprechung oder ein schwieriges Mitarbeitergespräch bringt Sie energietechnisch in den Grenzbereich. Wie können Sie sich ganz gezielt vorbereiten um hier nicht in ein Energieloch zu fallen. Ich habe Dr. Sabine Paul zu Gast und es lohnt sich wieder mit dabei zu sein. Bis zur nächsten Woche, ich freue mich auf Sie, Ihr Thomas Reining.

Und zum Ende noch das übliche Zitat der Woche, heute habe ich für Sie ein Chinesisches Sprichwort ausgesucht, es lautet:

    “Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.”

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