GFG084- Ziele und sich selbsterfüllende Prophezeiungen

Das Phänomen der sich selbsterfüllenden Prophezeiungziele und sich selbsterfüllende Prophezeiungen

Wie behindern uns sich selbsterfüllende Prophezeiungen bei der Erreichung unserer Ziele?
Was genau ist dieses Phänomen, das die Engländer mit dem Wort self fulfilling prophecy benennen und bei dem genau das passiert, genau das eintritt, was Sie erwarten?

Das Denken ist der Schlüssel

Unser Denken und folgerichtig unser Verhalten werden mental in unserem Kopf gesteuert. Unser Unterbewusstsein weiß jedoch gar nicht, ob die Dinge, die wir uns gerade vorstellen, wirklich der Realität entsprechen oder diese nur ein schönes Kopf Kino sind. Wenn jedoch anschließend genau das eintritt, was wir in unserer Gedankenwelt vorformuliert haben, dann sprechen wir über die sich selbsterfüllende Prophezeiung.

Selbsterfüllende Prophezeiungen begegnen uns täglich:

  • Gerüchte die sich verselbstständigen und eine eigene Dynamik entwickeln.
  • Unsere eigene Annahme, eine bestimmte Leistung nicht bringen zu können und dementsprechend bewältigen wir diese Aufgabe anschließend auch nicht.
  • Typisches Beispiel ist auch der Placebo- Effekt aus der Medizin, bei dem wirkungslose Medikamente die Gesundheit verbessern, nur weil wir daran glauben.

Selbsterfüllende Prophezeiungen wirken in zwei Richtungen

Das Gute ist, positive sich selbsterfüllende Prophezeiungen können genauso Wirkung erzielen wie eine negative sich selbst erfüllende Prophezeiung. Der Grund dafür ist einleuchtend. Diejenigen, die an eine sich selbsterfüllende Prophezeiung glauben, werden sich so verhalten, dass sich diese auch wirklich erfüllt. Man spricht hier von einer positiven Rückkopplung zwischen Erwartung und Verhalten.

Unter welchen Umständen verhindern selbsterfüllende Prophezeiungen das Erreichen von Zielen?

Ich möchte Ihnen von einer kleinen Begebenheit erzählen, die ich selbst vor einiger Zeit erlebt habe und die mir den Anstoß gab, eine Sendung über sich selbsterfüllende Prophezeiungen zu machen.
Mein Hund war noch ein kleiner Welpe, ca. 4 Monate alt. Absolut verspielt und, was kann man anderes erwarten, Gehorsam stand noch so gar nicht auf seiner Agenda. Ich spielte mit ihm in den Feldern. Autos fahren dort nicht und so konnte ich ihn frei laufen lassen. Plötzlich tauchte in unserem Rücken ein älteres Ehepaar auf.

Aufregung

Die Frau blieb stehen als sie meinen Hund sah und schrie sofort los. Ich sollte den Hund an die Leine nehmen. Ihr Mann positionierte sich zwischen seiner Frau und dem Welpen, fuchtelte wild mit den Armen und versuchte den Hund, der noch gar keine Notiz genommen hatte,  vorausschauend von seiner Frau fernzuhalten. Die Aufregung, die da gerade entstand war natürlich für den kleinen Kerl super spannend und interessant. Es ist bestimmt nicht meine Absicht Spaziergänger zu erschrecken oder zu verängstigen, aber bei der ganzen Hektik und Unruhe lief der Welpe in Windeseile  in die entsprechende Richtung.
Ergebnis: Noch mehr Hektik, noch mehr Angst, noch stärker fuchtelnde Arme und eine immer weiter zunehmende Neugier meines Welpen. Nachdem ich meinen Welpen zu mir gelockt und an die Leine genommen hatte, klärte mich der Ehemann auf: Seine Frau war als Kind von einem Hund gebissen worden. Seitdem stellt jeder Hund für sie eine potenzielle Gefahr dar.

Viele betrachten die Reaktion der Frau als eine Überreaktion, für die Frau war es lediglich eine Handlung basierend auf ihren Erfahrungen.

Vorannahme wird zum Gesetz

Für mich das perfekte Beispiel für eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Ich konnte ihr ängstliches Verhalten wohl verstehen,  aber durch diese Panik machte sie vermutlich seit ihrer Kindheit jeden in ihrer Nähe befindlichen Hund auf sich besonders aufmerksam. Wenn sich ein Hund nur etwas näherte, war es für sie sofort klar, er will mich beißen. Im schlimmsten Fall rannte sie möglicherweise sogar davon. Und was machen Hunde bei Hektik, bei Unruhe oder wenn jemand wegläuft? Sie interessieren sich oder laufen hinterher. Die Absichten sind nicht immer klar, aber in der Regel bedeutet es keinen Angriff  sondern Spiel. Was passiert beim Spiel? Klar, es gibt Körperkontakt. Und schon war es für diese Frau Gesetz, die Hunde verfolgen und beißen mich. Durch diese Vorannahme und die daraus auch resultierende Körpersprache war das Scenario für immer vorprogrammiert.
Dieses Beispiel zeigt perfekt wie self fulfilling prophecy funktioniert.

Wie wirken sich selbsterfüllende Prophezeiungen in der Führung?

Führungskräfte verfolgen oft die Strategie, von ihren Mitarbeitern 120% Leistung zu verlangen, um die von ihnen geforderten 100% zu erreichen, also mehr zu fordern als eigentlich notwendig ist. Sie stecken die Ziele viel zu hoch bis sie teilweise unerreichbar werden.  Sie bauen eine Sicherheitsmarge ein, um selbst auf der sicheren Seite zu sein. Dies ist auf fast allen Führungsebenen zu beobachten.
Bei hoch motivierten und ambitionierten Mitarbeitern mag diese Strategie funktionieren und aufgehen, bei anderen löst sie eher Frustration, Hilflosigkeit und Überforderung aus.
Ebenso  Mitarbeiter, die auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung genau einschätzen können, wie unrealistisch die geforderten Ziele sind, werden diese Herausforderung nicht annehmen und daher noch deutlicher verfehlen als es vielleicht notwendig wäre. Wie heißt es im Fußball so schön: knapp daneben ist auch vorbei. Es lohnt gar nicht sich überhaupt anzustrengen.

Die Hochmotivierten

Aber die gerade schon erwähnten Hochmotivierten, die werden richtig Gas geben. Besonders dann, wenn sie sich durch diese Aufgabe geschmeichelt oder herausgefordert fühlen. Verstärkt wird dies noch wenn die Führungskraft dem Mitarbeiter den unbedingten Glauben schenkt, er könnte diese zu hohen Ziele wirklich erreichen und großen Erfolg erzielen. Die Wissenschaft spricht hier über den Pygmalion Effekt.

Der Pygmalion-Effekt

Als Pygmalion-Effekt (nach der mythologischen Figur Pygmalion) wird bezeichnet, wenn die (vorweggenommene) positive Einschätzung eines Schülers (etwa der Schüler ist hochbegabt) durch einen Lehrer sich im späteren Verlauf bestätigt. Dieses wird dadurch ermöglicht, dass der Lehrer seine Erwartungen in subtiler Weise den Schülern übermittelt, z. B. durch persönliche Zuwendung, die Wartezeit auf eine Schülerantwort, durch Häufigkeit und Stärke von Lob oder Tadel oder durch hohe Leistungsanforderungen. ( Quelle Wikipedia)

Wenn solche hochmotivierten Kräfte dann ans Werk gehen, kommen sehr oft echte Spitzenleistungen dabei heraus. Wenn jedoch trotz Spitzenleistung und  Anstrengung die zu hohen Ziele verfehlt werden, dann bleibt bei ihnen nur noch großer Frust, Enttäuschung über die eigene Leistung und ein schwindendes Selbstbewusstsein. Das kann bis hin zu Selbstvorwürfen gehen. Gedanken wie, der Chef hat mir vertraut, ich habe ihn enttäuscht, es ist alles meine Schuld, laufen dann schon mal durch den Kopf.
In dieser Gedankenwelt taucht gar nicht auf, dass diese Ziele zu hoch und unrealistisch waren.

Das dicke Ende

Die Sorge oder sogar Angst werden anschließend mitgenommen ins nächste Projekt, in eine neue Aufgabe. Man wird ständig von dem Gedanken begleitet, es nicht geschafft zu haben. Und schon ist man in der Falle der sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Mitarbeiter mit solchen Erfahrungen müssen schon ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, ein dickes Fell haben, um bei der nächsten Gelegenheit das neue Ziel genauso energiegeladen in Angriff zu nehmen.

Verantwortung

Führungskräfte tragen, was die Zielsetzung angeht, eine große Verantwortung für Ihre Mitarbeiter.
Ich meine nicht, die Latte so niedrig zu legen, dass jeder drüber springen kann. Ich sage auch nicht das Ziele keine Herausforderung darstellen sollten. Das frustriert ebenfalls und lässt das Leistungsniveau absinken. Aber Ziele sollten mit Augenmaß gewählt werden und bei aller Herausforderung auch erreichbar sein. Ein Beispiel für unrealistische Ziele ist der Abgasskandal bei einem der größten Automobilhersteller. Da war seitens der Unternehmensleitung von den Entwicklungsingenieuren eine optimale Abgasreinigung zu einem unrealistisch niedrigen Preis gefordert worden. Dieses Ziel war in dieser Kombination so nicht erreichbar. Man konnte in der Presse lesen, welchem Druck die Ingenieure ausgesetzt waren. Am Ende ging der Schuss nach hinten los und brachte neben großem Frust einen riesigen wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen.

Ziele richtig einschätzen

Darum mein Tipp: Gehen Sie mit den Zielsetzungen für Ihre Mitarbeiter verantwortungsvoll um. Eine gute Führungskraft sollte in der Lage sein die Ziele richtig einzuschätzen und hat es bei einem vertrauensvollen Umgang mit den Mitarbeitern nicht nötig solche Tricks anzuwenden. Als verantwortungsvolle Führungskraft in der sogenannten Sandwichposition ist es ihre Aufgabe, diese Position auch bei ihren eigenen Vorgesetzten entsprechend zu vertreten.

Summer-Camp 2017

Ich lade Sie ein zum Summer-Camp 2017 für Führungskräfte. Gemeinsam mit Judith Torma, Olaf Schwantes, Anke Lambrecht, Carola Lübbenjans und Dr. Gerlinde Lamprecht haben wir sechs Abende für Sie gestaltet, die das Fernsehprogram im Juni mit Sicherheit in den Schatten stellen werden.

Wir starten diese 6-teilige Webinar Reihe am 06.Juni. Jede Veranstaltung dauert ca. 1 Stunde, ist werbefrei, auf maximal 50 Teilnehmer begrenzt und kostet für das Gesamtpaket nur EUR 75,00.  Für diejenigen die eine Webinar verspassen, gibt es selbstverständlich auch eine Aufzeichnung.

Hier gehts zum Summer-Camp 2017 für Führungskräfte

https://www.edudip.com/lp/242554

Zitat

„Versuche nicht, ein Mann des Erfolgs zu werden. Werde lieber ein Mann von Wert!“
Albert Einstein

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