GFG101- Staffing, wenn Führungskräfte untergehen!

Führungsschwäche kann zum Staffing führen

Haben Sie schon einmal einen  führungsschwachen Vorgesetzten erlebt, jemanden über den Sie sich fast täglich geärgert haben? Jemand ohne wirkliche Autorität der eigentlich nur damit beschäftigt ist, irgendwie zu überleben. Bei jeder Gelegenheit stellen Sie fest, dass seine Teammitglieder machen was sie wollen und auch Sie würden sich viel lieber einen Leader mit Führungsstärke und Charisma  wünschen, der sagt wo es langgeht und den Sie respektieren können. Oder gestehen Sie sich selbst insgeheim ein, Ihrer Führungsrolle nicht immer gewachsen zu sein? Keine schöne Arbeitsatmosphäre. Diese Situationen finden sich sehr oft im mittleren Management wieder und man fragt sich, wie ist der oder die eigentlich in diese Führungsrolle gekommen. Im Team macht sich eine Art Anarchie breit, die bis zum Staffing führen kann.

Was ist Staffing?

Kennen Sie den Ausdruck “ Staffing “ ?
Staffing ist wie Mobbing, nur in der umgekehrten Richtung. Hier ist der Vorgesetzte, die Führungskraft, der Leidtragende. Oft betroffen sind sehr junge und unerfahrene Führungskräfte, meist beseelt von dem Gedanken, unbedingt alles richtig machen zu müssen und sich selbst keine Fehler gestatten zu wollen.
Gerade sie sind auf die Hilfe und Unterstützung ihrer Mitarbeiter oder ihres Teams angewiesen, sie bekommen jedoch nur Abneigung und Ablehnung zu spüren. Für sie wichtige Informationen werden zurückgehalten oder vergessen und man lässt sie regelrecht verhungern oder ins offene Messer laufen.

Ungenügende Vorbereitung auf Führungsaufgaben

Warum ist das so? Viele Führungskräfte sind ungenügend auf ihre Führungsaufgabe vorbereitet, wurden vielleicht sogar gegen den eigenen Willen in diese Führungsrolle reingedrängt.
Mit einer natürlichen Unsicherheit und dem Bewusstsein dieser Unzulänglichkeiten steigt die Zahl der Fehler. Langsam aber sicher verlieren diese Führungskräfte ihr Selbstvertrauen, treffen falsche Entscheidungen, geben missverständliche Anweisungen oder Arbeitsaufträge und treten mitunter unbeherrscht und verletzend auf.
Auf beiden Seiten, also bei Führungskraft und Mitarbeitern, wird die Drehzahl erhöht, man schaukelt sich hoch und wir sind mitten drin im Staffing.

Dem Chef werden wichtige Informationen vorenthalten, Emails werden vergessen oder zu spät geschickt, ganze Prozessketten werden sabotiert, Ergebnisse oder Statistiken manipuliert, Gerüchte werden gestreut, Intrigen werden gesponnen und der Vorgesetzte ist dem Geschehen  bisweilen hilflos ausgeliefert.

Es gibt zahlreiche Gründe und sie erinnern mich in mancherlei Hinsicht  an einen Unternehmenszoo.  Diesen habe ich übrigens gerade in den Folgen 98 und 99 behandelt, hören Sie da doch noch mal rein.

Gründe für Staffing

Was kann Staffing auslösen? Welche Gründe gibt es? Hier eine kleine Auswahl.

  • Man neidet dem ehemaligen Kollegen die neue Aufgabe als Führungskraft
  • Die eigene Angst vor Veränderungen
  • Fehlende Akzeptanz resultierend aus Geschlecht oder Abstammung des Vorsetzten
  • Verärgerung über Entscheidungen des Vorsetzten
  • Zu wenig Anerkennung der persönlichen Leistung
  • Fehlendes Durchsetzungsvermögen des Vorgesetzten
  • Mangelnde Führungskompetenz
  • Überhebliches Auftreten des Vorgesetzten

Das Problem nicht wahrhaben wollen

Das Fatale ist, viele Chefs nehmen es am Anfang gar nicht richtig wahr oder kehren es einfach unter den Teppich, schließlich kann nicht sein was nicht sein darf. An dieser Stelle nicht sofort gegenzusteuern bedeutet jedoch das Problem noch größer zu machen. Aber warum zögern so viele Führungskräfte an dieser Stelle zu lange? Der Grund ist ganz einfach, denn sie würden bei ihrem eigenen Vorsetzten eingestehen, dass sie die eigene Mannschaft nicht führen können und die Situation nicht im Griff haben. Welche Führungskraft, egal wie schwach oder stark,  gibt dies zu?

Aber wie auch beim Mobbing führt das Staffing genauso zu seelischen Beeinträchtigungen, Depressionen  oder Angststörungen. Das Programm läuft im Prinzip genauso ab wie beim Mobbing und liefert ähnliche Resultate:

  • Die Arbeitsqualität sinkt
  • Krankheitsbedingte Ausfälle
  • Verlust von Führungskräften durch Kündigung
  • Know how-Verlust
  • Beschädigungen des Arbeitsklimas
  • Imageverlust für das Unternehmen durch Mundpropaganda.

Wie beugen Sie am besten vor?

Was sollten Sie also tun, um Staffing vorzubeugen?
Nicht jede kleine Frotzelei ist sofort Staffing. Ebenso wenig jede unhöfliche Bemerkung oder Zurückhaltung gegenüber dem Chef.
Es schadet auch gar nicht wenn Mitarbeiter sogar versuchen an die Grenzen zu gehen, sich selbst zu präsentieren und den eigenen Möglichkeitsspielraum zu erkunden. Auch hat jeder mal private oder persönliche Probleme und ist einfach schlecht drauf. Da fällt bei dem einen schon mal ein unbedachtes Wort und der andere zieht sich in sein Mauseloch zurück. Geben Sie Ihren Mitarbeitern solche Freiräume, geben Sie ihnen auch die Chance einmal richtig über sie meckern zu können, das ist ganz normal. Das gehört einfach dazu.

Die Einsamkeit als Vorgesetzter

Als Vorgesetzter ist man immer wieder an der einen oder anderen Stelle einsam. Akzeptieren Sie, dass Sie nicht in jeder Runde dabei sein können und sollten. Bewahren sie Ihre Unabhängigkeit. Ein bisschen Distanz sorgt meist für mehr Respekt als eine zu große Nähe. In jedem Fall ist Fingerspitzengefühl angesagt und ich möchte nicht den Eindruck erwecken, Führungskräfte sollten unnahbar sein und sich ständig zurückziehen.

Aber was müssen Sie tun, um Respekt und Akzeptanz zu erlangen?
Dazu gehört, fair und offen zu kommunizieren, berechenbar zu sein, Kritikpunkte offen und direkt anzusprechen, für persönliche Kritik das Vieraugengespräch zu suchen und niemanden öffentlich bloßzustellen. Sollten sich jedoch Respektlosigkeiten einstellen und  Nachlässigkeiten auftreten, ist es Ihre Aufgabe hier Stellung zu beziehen und auf keinen Fall wegzuschauen.

Und zwar nicht nur wenn diese Respektlosigkeiten gegen Sie gerichtet sind, sondern auch sofort und direkt wenn der Betroffene Teil Ihres Teams ist. Wenn Sie schlechtes Benehmen gegen einen Mitarbeiter dulden, zeigt dies Ihre eigene Führungsschwäche. Sie können sicher sein, irgendwann wird man in der näheren Zukunft austesten wie weit man bei Ihnen gehen darf. Daher mein Tipp, dulden Sie niemals schlechtes Benehmen oder Respektlosigkeit.

Die notwendige Stärke und Autorität zeigen Sie am besten durch Ihr klares und konsequentes Auftreten.

Wichtigstes Führungsinstrument ist für Sie das Gespräch mit Ihren Mitarbeitern. Wenn ich Gespräch sage, dann meine ich auf keinen Fall einen Monolog Ihrerseits. Viel besser ist es, Ihre Mitarbeiter reden zu lassen. Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer bei Problemen, Wünschen und Ambitionen, um im Bilde zu sein.
Nicht umsonst heißt es, „wer fragt der führt“.
Dazu empfehle ich Ihnen auch Folge 24“Das Mitarbeitergespräch“.

Was tun bei „Staffing“ ?

Sollten Sie jedoch feststellen, dass Sie möglicherweise ein Staffing-Opfer sind, oder es werden könnten, dann sprechen sie diesen Punkt offen und direkt an. Tun Sie dies unmissverständlich mit dem staffenden Mitarbeiter und führen Sie ein entsprechendes Kritikgespräch. Wenn Ihr Mitarbeiter sich beispielsweise immer bei wichtigen Meetings verspätet oder das von Ihm erwartete Zahlenmaterial immer zu spät zur Verfügung steht, dann dürfen Sie dem nicht aus dem Wege gehen. Solch ein Verhalten bedeutet nicht automatisch Staffing, es kann jedoch dazu führen.
Klären Sie auch auf, wenn Emails bei Ihnen nicht ankommen, wichtige Informationen fehlen oder bestimmte Anordnungen oder Regeln ignoriert werden.
Und wenn es nicht möglich ist, einen bestimmten Mitarbeiter direkt zu identifizieren, dann sprechen Sie mit Ihrem gesamten Team.
Machen Sie dem Betreffenden oder Ihrem Team unmissverständlich klar, dass ein solches Verhalten Folgen nach sich zieht und, wenn notwendig, handeln Sie anschließend konsequent und unnachgiebig.

Was tun, wenn Ihnen in solch einem Fall Kritik entgegen springt?
Mein Tipp, rechtfertigen Sie sich dazu auf keinen Fall, sondern reflektieren Sie die Ihnen genannten Punkte und passen Sie Ihr eigenes Verhalten oder Auftreten gegebenenfalls an. Gehen Sie umsichtig vor und versäumen Sie es nicht, diese Schritte und Gespräche in persönlichen Aufzeichnungen zu dokumentieren.

Was tun, wenn Sie die Situation nicht in den Griff bekommen?

Denn sollte es Ihnen nicht gelingen, die Situation in den Griff zu bekommen, sollten Sie Ihren direkten Vorgesetzten in einem vertraulichen Gespräch darüber informieren. Vielleicht kennt Ihr Chef ja sogar das eine oder andere Problem in Ihrem Umfeld und unterstützt Sie dabei, wie z.B. einen schwierigen Mitarbeiter in eine andere Abteilung zu versetzen.
Mein Tipp, auch wenn Sie solch eine Rückendeckung erfahren, treten Sie bei Ihren Mitarbeitern immer alleine auf.
Und wenn es am Ende trotzdem nicht funktioniert, dann sorgen sie selbst dafür, dass diese Aufgabe nicht zu einer zu großen Belastung für Sie wird.

Empfehlen möchte ich Ihnen in diesem Zusammenhang auch die Folge 15 in der es um Mobbing geht.
Hören Sie dort auch einmal rein  wenn Sie erfahren möchten was zu tun ist, wenn Sie als Vorgesetzter feststellen, dass eine Ihnen unterstellte Führungskraft unter Staffing zu leiden hat. Denn auch in diesem Fall haben Führungskräfte eine Fürsorgepflicht.

Ganz am Anfang steht jedoch Ihre ganz persönliche Vorbereitung für neue Aufgaben und mehr Verantwortung. Warten Sie nicht bis diese neue Funktion zu Ihnen kommt, bereiten Sie sich gezielt auf neue Herausforderungen vor. Das können Training, Coaching, Seminare, Webinare sein, wichtig ist nur, es muss zu Ihnen passen und Sie müssen sich wohl fühlen. Hilfreich kann auch ein entsprechendes Training für das gesamte Team sein.

Zitat

Gelernt habe ich, dass man jeden Menschen ernst nehmen soll. Erlebt habe ich, dass man jeden Menschen ernst nehmen muss.
Wolfgang J. Reus

Im Artikel empfohlene Podcast Folgen zum Nachhören

Mobbing, Folge 15

Das Mitarbeitergespräch, Folge 24

Der Unternehmenszoo, Teil1

Der Unternehmenszoo, Teil2

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