GFG115- Wissensmanagement anders betrachtet

Wissensmanagement, was ist das eigentlich?

Laut Wikipedia ist Wissensmanagement ein zusammenfassender Begriff für alle strategischen bzw. operativen Tätigkeiten und Managementaufgaben, die auf den bestmöglichen Umgang mit Wissen abzielen. Die acht Bausteine des Wissensmanagement, so haben es jedenfalls Probst, Raub und Romhardt definiert, lauten Wissensziele, Wissensidentifikation, Wissenserwerb, Wissensentwicklung, Wissensverteilung, Wissensnutzung, Wissensbewahrung und Wissensbewertung.
Ich möchte heute nicht wissenschaftliche Modelle besprechen, sondern ein paar Gedanken mit Ihnen teilen.

Wissen muss vermittelt werden

Den Anstoß dazu bekam ich vor ein paar Tagen von einem Bekannten. Der arbeitet seit mittlerweile 12 Jahren bei einem der größten Discounter in Deutschland und erzählte mir, dass er jetzt, zusammen mit anderen Führungskräften  zum allerersten Mal zu einem 1 Tages Führungskräfteseminar eingeladen war.
Ich war sprachlos, das hätte ich dort nicht erwartet. Von so einem Seminar profitieren schließlich nicht nur die Führungskräfte, sondern umgekehrt lernt das Unternehmen natürlich auch sehr viel von seinen Führungskräften.
Und so war ich dann zum Thema der heutigen Sendung gekommen.

Das Wissen in ihrem Unternehmen

Haben Sie selbst, liebe Hörer, eine Idee oder eine Vorstellung, wieviel Wissen sich in Ihrem Unternehmen oder in Ihrem Team angesammelt hat? Ich bin mir sehr sicher, dass sich die wenigsten Führungskräfte darüber Gedanken machen oder davon eine annähernde Vorstellung haben.  Es geht hier nicht um das Wissen ganz oben im Topmanagement, ich meine das gesamte Wissen, welches ein Unternehmen am Laufen hält. Dazu gehören auch der Hausmeister, der bei einem Wasserrohrbruch sofort die richtigen Kontakte ansprechen muss, die Sekretärin die das Druckerpapier im richtigen Moment nachbestellt und der Facharbeiter der genau weiß in welchen Momenten die wichtige Produktionsmaschine hakt und was dann zu tun ist. Es gibt Duzende von ähnlichen Beispielen.

Bringt der Computer den Erfolg?

Was würde passieren, wenn dieses Wissen kurzfristig wegfällt und was kann man tun, um dieses Wissen jederzeit verfügbar zu machen?
Der Umgang mit Wissen entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens.
Und wie versuchen viele Unternehmen diese Frage zu lösen? Unter dem Begriff Knowledge Engineering versucht man in vielen Unternehmen das Wissen in computergestützten Anwendungen  zu strukturieren und verfügbar zu machen und zu verbreiten.
In allen Bereichen eines Unternehmens, ob Einkauf, Produktion oder Vertrieb wird Wissen zu einem echten Wirtschaftsfaktor. Da gibt eine Vielzahl an elektronischen Hilfsmitteln vom Computer, über Datenbanken und Wikis bis hin zu E-Learning, Internetauftritten und Social Media. Wir sind mittlerweile in der Lage, Remote zu arbeiten  und  sogar ortsunabhängige und größere Projekte rund um den Erdball im Mehrschichtbetrieb zu organisieren.

Der Mensch im System

Und damit sind wir am für mich wichtigsten Punkt der heutigen Sendung. Alle Dinge die ich aufgezählt habe,  sind ohne den Menschen nicht möglich. Bei all diesen Aktivitäten sind wir auf seine Mitarbeit angewiesen. Ohne die Mitarbeit und Zusammenarbeit geht nichts, denn an den verschiedensten Stellen würde die Wertschöpfungskette unterbrochen werden.

Und zu dieser Wertschöpfungskette gehören alle Beteiligten, nicht nur das Topmanagement. Auch das mittlere und untere Management,  auch der eingangs erwähnte Hausmeister oder die Sekretärin sind notwendig. Sollte ein Verantwortlicher im Unternehmen die Meinung vertreten, der Beitrag eines Einzelnen wäre verzichtbar, ja dann könnte er diese Position auch direkt streichen. Wenn der Beitrag verzichtbar ist, dann braucht man den Betreffenden schließlich nicht. Das klingt sehr provokant, ich weiß.

Datenfriedhöfe

Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, wenn der Beitrag unverzichtbar ist, gebührt demjenigen der ihn erbringt auch die entsprechende Wertschätzung. Gibt es diese Wertschätzung nicht führt es zu Angst, Verweigerung und stillem Widerstand. Die gutgemeinten und teuer bezahlten Computersysteme werden dann nicht mehr weiterhelfen. Im schlimmsten Fall haben wir Datenfriedhöfe gebildet die unzugänglich geworden sind. Ohne Wertschätzung und mit der Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wird kein Mitarbeiter, keine Manager, ja niemand bereit sein, sein Wissen weiterzugeben oder mit anderen zu teilen.  An das Gold in den Köpfen ihrer Mitarbeiter gelangen Sie nur durch Vertrauen. Diese immaterielle Ressource zu nutzen, ist der wirkliche Weg des Erfolgs und das wahre Wissensmanagement.

Die kleinen Königreiche

Was passiert, wenn es Ihnen nicht gelingt an den Wissensschatz Ihrer Mitarbeiter zu gelangen? Das beste elektronische Projektmanagementsystem nützt Ihnen nicht viel, wenn zwischenmenschliche Beziehungen schlecht funktionieren oder Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten unklar sind. Es ist leicht, eine Abmahnung zu schreiben oder eine Kündigung auszusprechen, wenn jemand einen Ablauf im Unternehmen bewusst und offensichtlich sabotiert.
Schwieriger wird es für ein Unternehmen, wenn Dinge absichtlich übersehen werden oder Detailwissen zurückgehalten wird. Auch kann man einen Ablauf, der offensichtlich schief läuft, einfach mal laufen lassen. Die da oben haben es ja so (am grünen Tisch) entschieden. Dann sagen wir mal nichts.
Gefährlich, gefährlich. Menschen die frustriert sind, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, werden wenig Bereitschaft zeigen, ihr Wissen zu teilen. Sie werden den Versuch starten, durch Zurückhalten von Wissen ihr eigenes kleines Königreich zu etablieren um sich auf diese Weise unverzichtbar zu machen.

Boni helfen nicht immer

An dieser Stelle sind wir dann bei der Unternehmenskultur. Immer weniger Mitarbeiter, hoher Arbeitsdruck, schlecht funktionierende Netzwerke bieten eine suboptimale Grundlage für gute Zusammenarbeit und ein funktionierendes Wissensmanagement. Motivationsseminare und  finanzielle Anreize durch Boni wirken nicht,  wenn nicht gleichzeitig wirksam an der Unternehmenskultur gearbeitet wird.

Wissen im Unternehmen halten

Was ich immer wieder feststelle, ist, dass in vielen Unternehmen Wissensmanagement als Einbahnstraße gesehen wird. Wissensaustausch unter den Mitarbeitern wird vom  Management nachdrücklich gefordert, gleichzeitig gibt es wenig Bereitschaft seitens der Unternehmensleitung, Wissen mit den Mitarbeitern zu teilen.
Liebe Unternehmer, denken Sie daran, Mitarbeiter die aus Unzufriedenheit Ihr Unternehmen verlassen, werden Ihr Expertenwissen zukünftig einem Mitbewerber zur Verfügung stellen. Sie werden dies vermutlich leichten Herzens tun, schließlich  wollen sie ja zeigen, dass es richtig war sie zu engagieren.
Wenn dies in Ihrem Unternehmen geschieht, sind Sie der Verlierer.

Wie bekommt man zufriedene Mitarbeiter?

Daran schließt sich die Frage an, wie bekommt ein Unternehmen zufriedene  und motivierte Mitarbeiter?
Für mich sind das 3 zentrale Punkte:

  1. Seien Sie als Führungskraft Vorbild und erarbeiten Sie sich Respekt und Vertrauen bei Ihren Mitarbeitern
  2. Setzen Sie klare Ziele und unterstützen Sie jeden Mitarbeiter, sich noch mehr Wissen anzueignen.
  3. Übertragen Sie Verantwortung ohne Ihre Mitarbeiter zu über- oder zu unterfordern.

Erst mit diesen 3 Punkten im Hinterkopf wird jede Investition in computergestützte Systeme überhaupt erst zum Erfolg führen.
Nur eine kooperative und fördernde Unternehmenskultur bietet die Grundlage für ein erfolgreiches Wissensmanagement.

 

Damit komme ich mit meinen Gedanken zum Wissensmanagement zum Ende. Ich wünsche Ihnen den allergrößten Erfolg, das Wissen in Ihrem Unternehmen zu organisieren und zu strukturieren. Es lohnt sich. Bis zum nächsten Mal, bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund, Ihr Thomas Reining

Zitat

„Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“
Benjamin Franklin

Links
Motivation

Wertschätzung, Anerkennung und Lob.

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