GFG129- Familienfreundlichkeit in Unternehmen

Zeigt ihr Unternehmen Familienfreundlichkeit?

Familienfreundlichkeit ist heute in aller Munde und wird geradezu Mantra ähnlich beschworen.
Jetzt liegt der Urlaub schon wieder ein paar Tage hinter uns und wandert auch in unserem Kopf immer weiter nach hinten. Die Erinnerung verblasst immer mehr.  Gerade in den ersten Tagen nach dem Urlaub, begleitete mich früher immer ein schlechtes Gewissen. Mit früher meine ich die Zeiten, als meine Kinder noch kleiner waren und die gemeinsamen Familienurlaube die Highlights des Jahres darstellten. Ich konnte mich kümmern, hatte Zeit für Sorgen, Nöte, Spaß und Spiel und war einfach nur da. Diese Zeit für die Familie und die Kinder, die mir im geschäftlichen Alltag viel zu oft fehlte, habe häufig irgendwie im privaten Bereich abgezwackt. Ich bin mir sicher, vielen von Ihnen geht es heute ähnlich, egal ob Sie nun eine männliche oder weibliche Führungskraft oder Unternehmer oder Unternehmerin sind. Aber die Zeiten haben sich auch irgendwie verändert.

Work-Life- Balance

Mehr Geld, ein Geschäftswagen oder ein Firmenhandy zur privaten Nutzung haben immer mehr ihren Reiz verloren und die Work-Life-Balance ist auch für Führungskräfte wichtiger geworden. Auch die männlichen Vertreter unter uns haben heute ein immer stärkeres Interesse, ihren Teil zum Familienleben beizutragen. Die Aufgaben werden in den Familien heute einfach anders verteilt. Ganz entscheidend ist dabei jedoch, in welchem Umfang der Arbeitgeber auch Möglichkeiten anbietet, familienfreundlich zu arbeiten. Der ständige und konfliktbeladene Spagat zwischen Job und Familie entwickelt sich andernfalls zu einem echten Stressfaktor. Dabei spreche ich hier noch nicht einmal von den Alleinerziehenden, für die das in besonderem Maße gilt. Auch ältere Mitarbeiter sollte man in diese Überlegungen unbedingt mit einbeziehen, denn diese müssen in vielen Fällen eine ganz andere Herkulesaufgabe stemmen, nämlich die Pflege ihrer hilfsbedürftigen Eltern.

Die Vorteile

Welche Vorteile ergeben sich also für Unternehmen durch Familienfreundlichkeit?

  1. Die einfachere Gewinnung von Führungs- und Fachkräften. Wenn das Umfeld stimmt wirkt sich dies positiv auf das Image eines Unternehmens aus und das spricht sich ganz schnell herum.
  2. Es herrscht weniger Interesse, das Unternehmen zu wechseln, wenn das Familienleben gut mit dem Arbeitsleben unter einen Hut gebracht werden kann. Mit der richtigen Balance sinkt ganz von allein der Wunsch, den Arbeitsplatz zu wechseln.
  3. Geringere Krankenstände und Fehlzeiten. Flexibilität und weniger starre Regelungen bezüglich der Arbeitszeiten entkrampfen die Situationen für den Einzelnen. Wenn ein Kind krank ist, kann man die Arbeit nachholen oder in die Abendstunden nach Hause verlegen.
  4. Höhere Motivation durch zufriedene und loyale Mitarbeiter.

Wie zeigt sich Familienfreundlichkeit?

Was können Unternehmen tun, um familienfreundlicher zu sein und die Situation für Ihre Mitarbeiter zu entspannen?  Lesen Sie dazu meine neun Empfehlungen.

  1. Sprechen Sie Ihre Mitarbeiter an und bitten sie um Vorschläge. Zeigen Sie, dass Sie bereit sind Kompromisse einzugehen und individuelle Regelungen zu finden. In vertrauensvollen Gesprächen können viele Probleme leichter gelöst werden.
  2. Gehen Sie als Vorgesetzter mit gutem Beispiel voran. Damit zeigen Sie einerseits, dass Sie sich selbst nicht mehr Privilegien zugestehen, als Sie Ihren Mitarbeitern gewähren und andererseits ermutigen Sie alle Beteiligten, das eigene Arbeits-und Familienleben gut zu organisieren.
  3. Bieten Sie flexible Arbeitszeitregelungen an. Es gibt die verschiedensten Modelle von Teilzeit, Gleitzeit oder Arbeitszeitkonten.
  4. Bieten Sie Homeoffice-Zeiten oder Telearbeit an und ersparen Sie Ihren Mitarbeitern unnötige Fahrtzeiten. Eine repräsentative Befragung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) besagt, dass das Homeoffice in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
  5. Nehmen Sie bei Meetings und Sitzungen Rücksicht auf die Beteiligten. Dies geht nicht in jedem Fall und immer, ist aber andererseits sehr oft möglich und sollte niemals ausgeschlossen sein.
  6. Erwarten Sie nicht, dass Emails oder Telefonanrufe nach Dienstschluss beantwortet werden. Viele Unternehmen blockieren heute schon IT-seitig die Zustellung von Emails oder Anrufen.
  7. Helfen und unterstützen Sie bei der Kinderbetreuung. Dass bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen jetzt seinen eigenen Kinderhort einrichten sollte. Aber zu bestimmten Zeiten im Jahr, beispielsweise während der Sommerferien, ist die Kinderbetreuung ein echtes Problem. Mehr Wertschätzung und Verständnis als an dieser Stelle, kann ein Unternehmen seinen Mitarbeitern kaum bieten.
  8. Etablieren Sie Familientage im Unternehmen. Diese können ja durchaus am Wochenende stattfinden. Damit unterstreichen Sie, welchen Stellenwert die Familien für das Unternehmen haben.
  9. Tun Sie Gutes und sprechen Sie darüber. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Angebote für Familienfreundlichkeit nicht in kleinen Zirkeln im Unternehmen geheim gehalten werden, sondern dass jeder davon erfährt und die Möglichkeit bekommt, diese Angebote zu nutzen. Sie glauben gar nicht, wie schnell sich diese Kunde auch außerhalb Ihres Unternehmens breit macht und wie Ihre Attraktivität für andere Interessierte zunimmt.

 

Links:

Der erste Link ist ein Kulturcheck, mit dem Sie einfach und schnell einen Überblick über die Unternehmenskultur und die familienfreundlichen Bedingungen erhalten.
https://www.erfolgsfaktor-familie.de/kulturcheck.html

Der zweite Link führt zur zum Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ der Bertelsmann-Stiftung. https://www.familienfreundlicher-arbeitgeber.de/

Frauen und Männer in Führungspositionen
https://www.gute-fuehrung-braucht-gespuer.de/gfg069-frauen-und-maenner-in-fuehrungspositionen-interview-mit-diana-roth/

 

Damit komme ich zum Ende und wünsche Ihnen eine familienfreundliche Woche.
Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund, Ihr Thomas Reining

Zitat

Lebenskunst besteht darin, die eigene Natur mit der eigenen Arbeit in Einklang zu bringen.
Luis de Leon

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