GFG137- Rückdelegation oder Monkey Business

Rückdelegation- bei wem sitzt der Affe?

Leiden Sie auch unter Monkey Business oder, anders gesagt, unter Rückdelegation?
Vielleicht hat der eine oder andere den Begriff Monkey Business noch nicht gehört, ich erkläre ihn später, möchte Ihnen aber erst eine kleine Geschichte erzählen.

Der Friseur und der Affe

Vor vielen Jahren war ich Kunde in einem sehr kleinen Herren-Friseursalon. Und wenn ich „klein“ sage, dann meine ich auch wirklich „klein“. Es gab nur 2 Stühle in einem kleinen Souterrainladen und dort arbeitete nur der Inhaber und er wurde stundenweise unterstützt durch seine Frau.
Die Stühle für die wartenden Kunden waren immer besetzt und ohne Termin ging eigentlich gar nichts. Irgendwann fragte ich den Inhaber, warum er sich nicht vergrößert und einen Friseur einstellt. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. Er erzählte mir, dass er bis vor einigen Jahren einen viel größeren Salon mit sehr vielen Angestellten hatte. Die Kunden, die seinen Friseursalon besuchten, wollten jedoch in erster Linie von ihm die Haare geschnitten bekommen. Das Ende vom Lied war, dass seine angestellten Friseure in der Ecke saßen und nichts zu tun hatten und er fast bis zum Zusammenbruch gearbeitet hat. Dann kam für ihn der Moment der Erleuchtung. Er schloss den Salon, entließ alle Mitarbeiter und eröffnete den neuen, kleineren Laden. Er arbeitete fortan alleine und zu bestimmten Stoßzeiten bekam er die Unterstützung seiner Frau, die nach seiner eigenen Aussage, ebenso gut arbeitete wie er.

Nun kann man natürlich sofort die Frage stellen:
Hatten er die richtigen Mitarbeiter? oder
Konnten er nicht Nein sagen?

Ein Jahrzehnte altes Thema

Diese Geschichte trage ich viele Jahre mit mir herum und sie kam mir bei dem Thema Rückdelegation, auch bekannt unter dem Namen Monkey Business, wieder in den Kopf.
Schon in den 1970 Jahren erschien ein Bericht im Harward Bussiness Review mit dem Titel: „Business time: who got the monkey?“
Der Artikel beschreibt die Aufgabe, die delegiert werden muss, als einen Affen. Derjenige der an dieser Aufgabe aktuell arbeitet, trägt diesen Affen und ist für ihn verantwortlich. Dieser Affe muss unentwegt versorgt werden, er muss Futter und Wasser  bekommen, er will umsorgt und gestreichelt werden und all das kostet sehr viel Mühe. Da verwundert es nicht, wenn die Beteiligten versuchen, diesen Affen so schnell wie möglich wieder loszuwerden und auf dem Wege der Rückdelegation die Verantwortlichkeit zu zu verteilen.

Ausreden finden sich immer

Der Inhaber meines kleinen Friseursalon gab mir damals die folgenden Beispiele:
Ein Kunde kommt rein, meldet sich bei einem Mitarbeiter an und bekommt direkt die Frage gestellt: „ Möchten Sie vom Chef die Haare geschnitten bekommen“?
Da die meisten Kunden diese Frage direkt bejahten, war der Affe ohne Umweg direkt an den Chef weitergegeben.
Einmal mit dieser Frage Erfolg gehabt, wurde die Technik verfeinert und weitergeführt. In der Folge wurden auch die Anrufer, die um einen Termin baten, direkt gefragt ob sie beim Chef persönlich oder von einem anderen Mitarbeiter die Haare geschnitten bekommen wollten. Raten Sie, wie die Antwort in den meisten Fällen lautete. Und der Chef bekam all dies erstmal gar nicht mit.

Unbequeme Arbeiten loswerden

Und so läuft es auch in vielen anderen Unternehmen. Die Mitarbeiter versuchen unbequeme Arbeiten auf elegante Weise wieder loszuwerden, zurück zu delegieren. Wenn der Chef dann auch noch ein superguter Teamplayer ist, dann lässt er natürlich niemanden im Regen stehen und hilft wo er kann.
Und schneller als Sie schauen können, führen Sie eine ganze Affenhorde spazieren, füttern und unterhalten sie und, das Wichtigste,  Sie kommen nicht mehr zu Ihren eigentlichen Aufgaben.
Sie arbeiten plötzlich an den Aufgaben für die Ihre Mitarbeiter da sind.
Die Möglichkeiten der Mitarbeiter Arbeiten an den eigenen Vorgesetzen zurück zu delegieren sind zahlreich.

Zwei Beispiele für Rückdelegation:
„Chef, ich komme bei dem Problem nicht weiter. Sie haben doch immer eine gute Idee oder eine gute Lösung parat.“ Welcher Chef fühlt sich da nicht geschmeichelt?
Oder „Chef, der Kunde hat es am liebsten wenn er den Anruf von Ihnen bekommt.“

Wie Sie es auch drehen und wenden, der Affe sitzt immer irgendwie bei Ihnen.

Aber wie heißt es so schön in dem Bericht des Harward Business Review:
„In accepting the monkey, the manager has voluntarily assumed a position subordinate to his subordinate.“

Auf Deutsch: wenn Sie den Affen auf Ihrem Rücken akzeptieren, dann haben Sie freiwillig eine Position unterhalb ihres Mitarbeiters eingenommen.

Konzentration auf das Wesentliche

Das klingt hart und es ist hart. Aber denken Sie an den Friseur.
Ihre Mitarbeiter halten den eigenen Schreibtisch schön sauber und laden die eigene Arbeit bei Ihnen ab. Vielleicht stehen Sie ja auf eine 75 Stunden Woche, in jedem Fall fehlt ihnen jedoch wertvolle Zeit für Ihre wirklich wichtigen Aufgaben.
Darum sollten Sie unbedingt vermeiden, sich einen ungeliebten Affen auf den Rücken oder die Schulter setzen zu lassen. Unterstützen Sie ihre Mitarbeiter, bieten sie ihnen die Möglichkeit, mit ihnen einen Termin zu vereinbaren um eine Problemstellung zu erläutern. Machen Sie aber niemals den Fehler die Probleme Ihrer Mitarbeiter zu lösen.
Geben Sie dem Hungrigen eine Angel, aber niemals den Fisch.

Vorsicht Sandwichmanager

Wer ist besonders anfällig unter der Affenhorde zusammenzubrechen?
Nach meiner Erfahrungen ist  besonders die Sandwich Manger gefährdet. Er arbeitet häufig extrem fokussiert und karriereorientiert, er führt ein eigenes kleines Team und er berichtet gleichzeitig an seine Vorgesetzten. Selbstverständlich will er alles 100% richtig machen und perfekt und präzise in der vorgegeben Zeit liefern. Hier lauern große Gefahren, sich den einen oder anderen Affen aufzubürden. Bedenken Sie auch, irgendwann werden die Affen auf Ihrem Rücken immer schwerer.
Mein Friseur kannte damals nur einen Ausweg, um der Rückdelegation zu entgehen: Laden dicht machen und alle Mitarbeiter entlassen. Seien Sie ein verantwortungsvoller Chef und lassen sie Ihre Mitarbeiter  die eigenen Probleme auch selbst lösen. Wie sagte schon Winston Churchill: „Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance.“

Wichtige Info

Damit komme ich zum Ende und schließe mit einer wichtigen Information für Sie, liebe Hörer. Ich werde mich jetzt für einige Wochen von Ihnen verabschieden, denn ich habe mich zu einem spannenden Projekt verpflichtet. Ich freue mich riesig darauf, aber es lässt mir leider keine Zeit eine wöchentliche Sendung für Sie zu produzieren. Somit habe ich mich entschlossen meine Weihnachtspause schon jetzt, im November, anzutreten und dann erst im Januar wieder für Sie auf Sendung zu gehen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einige gute Wochen und eine schöne Adventszeit, lassen Sie die Affen bei Ihren Mitarbeitern und arbeiten sie an Ihren ureigenen Aufgaben als Vorgesetzter. Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund, Ihr Thomas Reining

Zitat:

Wer seiner Führungsrolle gerecht werden will, muss genug Vernunft besitzen, um die Aufgaben den richtigen Leuten zu übertragen, und genügend Selbstdisziplin, um ihnen nicht ins Handwerk zu pfuschen.

Theodore Roosevelt

Link zum Harward Business Review

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.