GFG138- Ist mein Mitarbeiter eine Fehlkonstruktion?

Fehlkonstruktion, ja oder nein

Heute beschäftigen wir uns mit der Frage: “Ist mein Mitarbeiter eine Fehlkonstruktion“?
Bevor wir aber loslegen, begrüße Sie Sie zur ersten Sendung im neuen Jahr.
Auf Grund eines Projektes fiel meine Weihnachtspause in diesem Jahr etwas länger aus, umso mehr freue ich mich jetzt endlich wieder auf Sendung zu sein. Anknüpfen möchte ich mit dieser Episode an eine der letzten Sendungen des vergangenen Jahres, nämlich an die Folge 136, in der es um die Stärken Ihrer Mitarbeiter ging. Hören Sie da gerne noch einmal rein.

Vorsätze

Viele Menschen, also auch Führungskräfte, starten das neue Jahr mit vielen guten Vorsätzen. Diese guten Vorsätze werden, irgendwann zwischen den Jahren, fernab vom geschäftlichen Druck und in familiärer Ruhe gefasst und dann- leider Gottes- im täglichen Stress und der Hektik genauso schnell wieder über den Haufen geworfen.

Die gleichen Fragen und die gleichen Zweifel

Eine Führungsaufgabe die vielen Stress und Unbehagen bereitet, sind die jährlichen Mitarbeitergespräche.
Einige Führungskräfte haben diese Mitarbeitergespräche bereits hinter sich gebracht, andere haben sie jetzt und in den kommenden Wochen noch vor sich. In den Vorbereitungen und auch während dieser Gespräche stellt man sich immer wieder die gleichen Fragen:

  • Kann der oder die das?
  • Ist er oder sie wirklich der geeignete Kandidat für diese Aufgabe?
  • Wo genau liegen seine oder ihre Stärken?

Häufig genug stellt eine Führungskraft in diesen Momenten fest, die eigenen Mitarbeiter gar nicht so genau zu kennen. Wirkliche Größe zeigen dann diejenigen, die es sich eingestehen und ihr Urteil nicht auf Grund von Annahmen zu schnell zu fällen.

Der Pinguin

In den letzten Wochen ist mir eine kleine Geschichte in die Hände gefallen ist, die dazu vortrefflich passt und diese möchte ich Ihnen jetzt vorlesen.Die Geschichte stammt von Dr. Eckard von Hirschhausen. Er ist promovierter Arzt,  Zauberkünstler und Moderator und die meisten haben ihn bestimmt schon irgendwann einmal im Fernsehen gesehen.
Starten wir also mit der Geschichte von Dr. Eckard von Hirschhausen in der es um einen Pinguin geht.

Die Geschichte

„Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.
Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.
Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”

Die Lehre

Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt. Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug! Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Krankenhaus gegen die Bühne getauscht habe. Meine Stärke und meine Macke ist die Kreativität. Das heißt, nicht alles nach Plan zu machen, zu improvisieren, Dinge immer wieder unerwartet neu zusammen zu fügen. Das ist im Krankenhaus ungünstig. Und ich liebe es, frei zu formulieren, zu dichten, mit Sprache zu spielen. Das ist bei Arztbriefen und Rezepten auch ungünstig. Auf der Bühne nutze ich viel mehr von dem was ich bin, weiß, kann und zu geben  habe. Ich habe mehr Spaß, und andere haben mit mir mehr Spaß. Live bin ich in meinem Element, in Flow!

Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser.  Spring! Und Schwimm!
Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.“

Ein guter Vorsatz für das neue Jahr

Diese, mit viel Leichtigkeit erzählte, Geschichte hat bei mir einige ganz wichtige Punkte wieder in den Fokus gerückt.
Punkte, die uns allen bekannt sind und die man sich trotzdem immer wieder vor Augen halten muss.
Jeder hat seine Stärken und jeder hat auch seine Schwächen. Nicht jede Position oder Funktion passt und viel zu schnell fällen wir Urteile, ohne die Situation richtig erkannt oder beleuchtet zu haben. Schauen wir also in diesem Jahr bewusst hinter die Kulissen und überprüfen wir, welche Qualitäten sich hinter einer vermeintlichen Fehlkonstruktion verstecken.
Und sollten Sie bei der Betrachtung Ihrer eigenen Person das Gefühl haben, Sie wären der Pinguin in der Wüste, dann sorgen Sie dafür, dass Sie ganz schnell zurück in Ihr Element kommen, um dort Ihre ganz persönlichen Stärken auszuspielen. Machen wir uns bewusst: Es gibt keine Fehlkonstruktion.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein glückliches und erfolgreiches 2019 und, treten Sie doch den Beweis an, dass das nun folgende Zitat nicht immer seine Richtigkeit hat, es stammt von Professor Dr. Alexander Mitscherlich

Zitat

Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion, er lebt weitgehend auf Kosten anderer.
Professor Dr. Alexander Mitscherlich

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